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MUSEUM IM VORWERK ULRICHSTEIN

 

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Das Vorwerk in Ulrichstein

  

Von der Zehntscheune zum "Museum im Vorwerk"

  

Bei dem "Vorwerk" in Ulrichstein handelt es sich um eine ehemalige Zehntscheune, die nach einer wechselvollen Geschichte zu einem Museum umgestaltet wurde. Das imposante Renaissancegebäude steht am westlichen Ortsausgang der Stadt Ulrichstein im Vogelsberg / Hessen. Aufgrund seiner Architektur und der Verwendung von heimischen Materialien passt es sich bis heute hervorragend in die ländliche Umgebung ein. Seit seiner Erbauung im Jahr 1464 hat es bis heute nur geringfügige Veränderungen erfahren.

  

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Zehntscheune Ulrichstein

  

Architektur

Das Gebäude hat eine Grundfläche von 42 Meter mal 12 Meter.
Es handelt sich dabei um einen Massivbau mit ca. 80 cm starken Wänden aus Basaltsteinen. Es war nicht unterkellert und wurde von einem Walmdach gegen Nässe geschützt.

Die Fenster waren Bogenfenster und sind auch heute noch in ihrer ursprünglichen Form erhalten geblieben. Das Erdgeschoß verfügte im oberen und unteren Drittel über zwei große Eingangstore, zwischen denen sich ein Pferdestall befand.

Im Obergeschoß befand sich jeweils auf der Giebelseite eine Wohnung. Im Dachgeschoß waren Fruchtspeicher, Heu- und Strohbergeräume untergebracht.

Ein großer Hof, der mit einer Bruchsteinmauer umgeben war, vervollständigte das Anwesen, dass über mehr als 3000 qm Grundfläche verfügte.

1868 wurde der Schiefer des Walmdaches durch Eternit ersetzt.
Als nach 1991 das Gebäude zum Museum umgebaut wurde, erhielt es eine rote Ziegeleindeckung. Lediglich der Mittelbereich des Dachfirstes wurde aus Gründen einer besseren Lichtausbeute verglast.

  

Geschichte

Im Jahr 1464 wurde das Gebäude als Zehntscheune unter Landgraf Heinrich III. errichtet Der Zweck der Zehntscheune war es, die Abgaben der Bauern ( den Zehnt), die vor allem aus Naturalien bestanden, zu sammeln und einzulagern. Die Zehntscheunen waren neben den Kirchen, oftmals die größten Gebäude in den Dörfern und kleinen Städten.

Im Jahre 1486 wurde die Zehnscheune um einen Querbau erweitert und der Hof mit einer Mauer umfasst. Ab diesem Zeitpunkt wurde die Zehntscheune als "Vorwerk" der Burg auf dem Schlossberg bezeichnet. Noch heute ist das Gebäude im allgemeinen
Sprachgebrauch unter dem Namen das "Vorwerk" bekannt.

Ende des 17.Jahrh. wurde im Vorwerk die recht bedeutsame "Ulrichsteiner Stutterey" gegründet. Hier wurde das "Ulrichsteiner Pferd" gezüchtet. Die Mischung aus englischer Stute und Araberhengst, aufgezogen im rauen Mittelgebirgsklima, ergab eine
Pferderasse die als Reit- und Arbeitspferd in der Landwirtschaft und beim Militär sehr beliebt war. Das "Ulrichsteiner Pferd" war widerstandsfähiger und zäher als ein in der Ebene gezogenes Pferd. Die Basaltlandschaft des Vogelsberges trug zur Entwicklung
starker Hufen und Sehnen bei.

Landgraf Ernst nutzte das Gestüt als Fohlenhof, später wurde das Vorwerk zu einem Landesgestüt ausgeweitet. 1849 wurde das Landesgestüt aufgegeben, die Zehntscheune wurde schon 1825 aufgehoben 1870 wurden beide Gebäude an Privatkäufer aus Ulrichstein veräußert. Das Hauptgebäude wurde nun als Scheune genutzt. Das Nebengebäude wurde abgebrochen und in der Marktstrasse in Ulrichstein als Gasthaus "Zum Oberwald"
wieder aufgebaut.

Das Hauptgebäude wurde 1933 von der Stadt Ulrichstein erworben. Man nutzte das Gebäude, nach der Vermietung an die Universität Gießen, zu wehrsportlichen Zwecken. Anschließend haben öffentliche Einrichtungen der Stadt Ulrichstein die Räumlichkeiten genutzt.

Als es zum Kriegsende 1945/46 zu akutem Wohnungsmangel kam fand das Vorwerk als Wohnraum Verwendung. Nach einigen Umbauten im Inneren entstanden zwölf Wohnungen die zum Teil bis 1991 belegt waren. Nach 1991 wurde die Idee das Vorwerk zu einem Museum umzugestalten verwirklicht. Nach mehrjähriger Planung und Durchführung verschiedener Baumaßnahmen, wurde 1996 das "Museum im Vorwerk" eröffnet.

  

Das Museum

Da das Vorwerk seit seinem Bau 1464 nur geringfügig verändert wurde, bietet das Gebäude einen authentischen Einblick in die Bauweise des 15. Jahrhunderts.

Im Erdgeschoß befindet sich die sogenannte Ständerhalle. In dieser, aus Basaltsteinen ummauerten Halle, tragen starke Eichenständer die darüberliegenden Geschosse. Hier findet der Besucher interessante Großtierpräparate, landwirtschaftliches Gerät und die Abteilung "Geologie des Vogelsberges".

Das Obergeschoß veranschaulicht die historische Arbeitswelt und Alltagskultur mit landwirtschaftlichen Kleingeräten, einem Hauswebstuhl und einer Schusterwerkstadt. Einblicke in die ländliche Wohnkultur vor hundert Jahren geben eine nachgestellte
Küche und eine Schlafstube. Ein besonderer Raum ist der Stadtgeschichte sowie dem Vogelsberger Maler und Schriftsteller Ernst Eimer (1881-1960) gewidmet. Daneben ist ein Klassenzimmer der ehemaligen Landwirtschaftsschule eingerichtet, das zu museumsbegleitendem Unterricht genutzt werden kann.

Wer mehr über die einzelnen Themenbereiche des Museums erfahren möchte, kann das in der Vogelsbergbibliothek tun. Die ebenfalls im Obergeschoß befindliche Bibliothek verfügt über mehr als 5000 Bücher zu den unterschiedlichsten Themen. Neben Sach- und Lehrbücher, findet man auch Romane, Krimis und Kinderbücher.

Im Dachgeschoß werden die Themengebiete Jagd und Forstwirtschaft in Einzeldioramen dargestellt. Informiert wird über Waldbegründung, Forstschutz, Waldpflege und Holzernte. Eine eingerichtete Försterstube macht das Leben der Waldpfleger um 1900 anschaulich. Des Weiteren werden in der Jagdabteilung
Jagdgewehre des 16. bis 19. Jahrhunderts, Abbildungen von oberhessischen Jagdschlössern und andere jagdhistorische Exponate gezeigt, wie zum Beispiel zahlreiche Trophäen und eine Vielzahl von heimischen Tierpräparaten.

Ergänzt wird dieser Ausstellungsbereich durch eine umfangreiche Sammlungalter und neuer Jagdliteratur.

  

Aktuell

Neben der Dauerausstellung werden immer wieder Wechselausstellungen zu den verschiedensten Themen in der Ständerhalle gezeigt. Außerdem gibt es vier Veranstaltungen, die jedes Jahr durchgeführt werden und zahlreiche Besucher anziehen: Ostereiermarkt (Palmsonntagwochenende), Herbstmarkt (letzter Sonntag im September), Tag der Jagd (1. Sonntag im November) und Adventsausstellung (1. Adventswochenende). Lehrgänge und Workshops runden das kulturelle Angebot des Museums ab.

Das Museum Im Vorwerk wird vom "Förderverein Museum im Vorwerk e. V." getragen und von der Stadt Ulrichstein als Eigentümer des Vorwerkes unterstützt.

 

 

 

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