„Museum im Vorwerk“ feierte 20-jähriges Jubiläum

Verantwortung gegenüber dem eigenen geschichtlichen Erbe gezeigt

Text + Bilder von Dieter Graulich

Der Beschluss der Stadtverordneten im Jahr 1991 das alte historische Vorwerk zum Museum umzubauen, stieß zumindest in der Anfangsphase wohl nicht nur auf einhellige Zustimmung. Umso mehr gebühre den Verantwortlichen der Stadt Hochachtung, die mit ihrer weisen Entscheidung eines der wenigen in Ulrichstein vorhandenen historischen Gebäuden einer adäquaten Verwendung zugeführt hätte.

Vorsitzender Andreas Rüb (rechts) bei seiner Festrede

„Die Stadt Ulrichstein setzte damit ein bewusstes Zeichen für die Verantwortung gegenüber ihrem eigenen geschichtlichen Erbe“, so Andreas Rüb, Vorsitzender des Förderverein „Museum im Vorwerk“ am Samstagabend in seiner Festrede anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des Museums. Von der ersten Idee zum Bau eines Museums im Jahre 1989, dem Umbau des historischen Gebäudes und bis zur Einweihung in 1996 vergingen dann insgesamt 15 Jahre.

Die Gesamtkonzeption des geplanten Museums sah vor, anhand der Dauerausstellung „Ländliches Kulturgut, Landwirtschaft, Forsten und Jagd“ die Geschichte des Hohen Vogelsberges und das Leben der Menschen an Beispielen noch vorhandener Sachgüter zu dokumentieren.

Größte Priorität habe dann die Suche nach Exponaten gehabt. Kurz vor Eröffnung des Museums waren es etwa 800 Exponate, heute seien es etwa 2.500 Stücke in der Dauerausstellung und eingelagert im Magazin.

Die musikalische Umrahmung hatten die „Seementaler Musikanten“

Mit dem Titel „Fremd in der Heimat“ wurde im Herbst 1996 die erste Ausstellung eröffnet, die sich mit dem Schicksal von Kriegsflüchtlingen während der Nachkriegszeit in Hessen beschäftigte.
Es folgten im November 96 und im Frühjahr 97 die beiden Großveranstaltungen: „Tag der Jagd“ und „Ostereiermarkt“. Im Laufe der Zeit kamen noch zwei weitere, jährlich wiederkehrende Märkte hinzu: „Herbstmarkt“ und „Adventmarkt“.

Vom Museumsteam wurden bis heute insgesamt 42 Märkte organisiert und über 120 Wechselausstellungen mit den unterschiedlichsten Künstlern und zu den unterschiedlichsten Thematiken. Das Spektrum reichte von reinen Kunstausstellungen, Fotoausstellungen bis hin zu kulturhistorischen, naturwissenschaftlichen und handwerklichen Themenbereichen. Die Zahl der Veranstaltungen insgesamt bezifferte Rüb mit 210 und betonte abschließend: „20 Jahre sind keine allzu lange Zeit. Was der Förderverein „Museum im Vorwerk“ mit seinen rund 100 Mitgliedern aber in dieser Zeitspanne auf die Beine gestellt hat, kann sich sehen lassen!“

Bürgermeister Edwin Schneider bei seinem Grußwort

„Heimat – das ist ein großes Wort. Doch was Heimat ist und bedeutet, das kann auch ein kleines Museum wie das Ulrichsteiner „Museum im Vorwerk“ ganz großartig vermitteln“, sagte Bürgermeister Edwin Schneider mit Stolz in seinem Grußwort. Seit nunmehr fast auf den Tag genau 20 Jahren wecke es die Vergangenheit zu neuem Leben und mache alle Interessierten damit vertraut, wie es früher hier aussah und zuging.

Mit großem Sachverstand und viel Engagement, seien über 17 Jahre Museumsleiter Peter Kraus und seit dreieinhalb Jahren Andreas Rüb sowie die Mitarbeiterinnen und die Mitglieder des Museumsvereins den Spuren der Vergangenheit nachgegangen und hätten  den Bürgerinnen und Bürgern, sowie den Kindern das Leben ihrer Vorfahren nahegebracht. Neben der ständigen Ausstellung seien viele spannende Ausstellungen, Vorträge und Märkte organisiert worden.

Für dieses erfolgreiche Wirken sprach er Lob und Anerkennung aus und versicherte, dass dem Heimatmuseum die Unterstützung der Stadt nach wie vor sicher sei. Die Stadt stelle in jedem Jahr rund 45.000 Euro zur Unterhaltung des Museums bereit und die Mandatsträger seien sich einig, dass diese Mittel für diese wichtige Kultureinrichtung gut angelegtes Geld sei.

Bürgermeister Edwin Schneider überreicht eine Spende an den Vorsitzenden Andreas Rüb

„Jeder, der hier einmal war, weiß es: Ein Rundgang durch das Museum gleicht einer Zeitreise im Kleinen. Liebevoll zusammengetragene Exponate fügen sich zu einem Ensemble zusammen, das viele Facetten menschlicher Existenz berührt. Kleine anrührende Haushaltsgegenstände von früher stehen neben größeren Geräten für Handwerk, Jagd und Landwirtschaft, alte Fotos hängen neben alten Karten und Urkunden.

All diese Objekte erzählen davon, wie die Menschen in der Region um Ulrichstein einst gearbeitet aber auch gefeiert haben, was sie sich erhofften und was ihnen Sorge bereitete“, schwärmte das Stadtoberhaupt vom Museum.
Zusammen mit der im Museum integrierten Bibliothek werde deutlich, wer einst das Sagen hatte und wer ganz unten stand. Manche der Exponate wurden zufällig entdeckt, andere zielstrebig gesucht, manche wurden buchstäblich vor dem Verfall oder Vergessen gerettet, andere wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt.

Wenn wir wissen wollen, wie wir wurden, was wir sind, müssen wir zurückblicken. Wenn wir das Heute verstehen wollen, brauchen wir Kenntnisse über die Vergangenheit. Das Gestern lenkt uns dann wieder zum Heute, zum besseren Verständnis der Gegenwart, und darauf aufbauend, können wir auch Weichen für die Zukunft stellen.

Die stellvertr. Vorsitzende Heike Erbes bei Ihrer Dankesrede

Bürgermeister Schneider ging dann auf die damaligen Kosten ein. So lagen die Baukosten einschließlich Ausstellung bei umgerechnet jetzt 980.00 Euro. Die Zuschüsse aus Fördergeldern außerhalb der Dorferneuerung betrugen 710.000 Euro und der Eigenanteil der Stadt lag bei 270.000 Euro.

„Unser „Museum im Vorwerk“ hat seinen festen Platz in unserer Stadt, es ist eine Bereicherung unseres kulturellen Angebots. Es trägt dazu bei, mit unserer Geschichte auch das Unverkennbare unserer Region und ihrer Bewohner zu bewahren. Und damit ist es auch in Zukunft aus Ulrichstein nicht mehr wegzudenken“, so Schneider abschließend.

Die Bedeutung des Wortes „Museum“ erläuterte dann die 2. Vorsitzende Heike Erbes, die auch allen Dank aussprach, die zum Gelingen dieser 20-jährigen Museumsgeschichte beigetragen hätten.

Einen heimischen Apfelbrand gab es für die Vorstandsarbeit von MdL Kurt Wiegel

Beeindruckt von den Aktivitäten des Fördervereins zeigte sich der CDU-Landtagsabgeordnete Kurt Wiegel in seinem Grußwort. Er ging auch auf die „gute alte Zeit“ ein, die nicht immer „gut“ gewesen sei. Für die Vorstandsarbeit überreichte er Rüb eine Flasche Apfelbrand von heimischen Äpfeln aus Rimlos.

Dank für die gute Zusammenarbeit kam von der Vorsitzenden der Ulrichsteiner Landfrauen, Karin Krämer, denn sie seien seit 20 Jahren in die Museumsarbeit mit eingebunden.

Dr. Dietmar von dem Borne hatte das spontane Geschenk von VHC-Zweigverein und Hegegemeinschaft Herbstein-Ulrichstein auf einen Bierdeckel geschrieben

Dankesworte kamen auch von Dr. Dietmar von dem Borne namens des VHC-Zweigverein Ulrichstein und der Hegegemeinschaft Herbstein-Ulrichstein die seit Jahren den „Tag der Jagd“ mitgestaltet.

Großen Beifall erhielt er für das spontane Geschenk, das er auf einen Bierdeckel geschrieben hatte.

Der Förderverein hatte gemeinsam mit den neuen Pächtern des Bistros, Fatiha Moussaid und Kevin Strerath das Jubiläum im Rahmen eines Oktoberfestes veranstaltet und so spielten zur musikalischen Umrahmung die „Seementaler Musikanten“ unter Leitung von Uwe Bergheimer.