17. Tag der Jagd im Museum im Vorwerk sehr gut besucht

Zwei Vorträge und Jagdhundevorstellung

Immer wieder ein Anziehungspunkt für Jäger und Bevölkerung ist der „Tag der Jagd“ anfangs November im „Museum im Vorwerk“. Gemeinsam wird er von der Hegegemeinschaft Herbstein-Ulrichstein und dem Förderverein Museum im Vorwerk organisiert und soll die Verbundenheit des Jagdwesens mit unserer Bevölkerung neu dokumentieren und beleben.

Nach der musikalischen Begrüßung der sehr zahlreichen Besucher durch die Feldataler Jagdhornbläser eröffnete Detlef Fait, Vorsitzender der Hegegemeinschaft Herbstein-Ulrichstein die Veranstaltung in der Ständerhalle des Museums. Er zeigte sich erfreut, dass es nach einem Jahr Pause wieder gelungen sei, gemeinsam den inzwischen 17. Tag der Jagd auszurichten.

Jagdhornbläser
Der 17. „Tag der Jagd“ wurde von den Feldataler Jagdhornbläser musikalisch umrahmt

„Reget sich was, gleich schießt der Jäger, ihm scheinet die Schöpfung, wie lebendig sie ist, nur für den Schnappsack gemacht.“ Dieser von Goethe und Schiller stammende Aphorismus aus ihren „Xenien“ beschreibt ein Verständnis von der Jagd, das heute beileibe nicht mehr stimmt“, stellte Schirmherr Bürgermeister Edwin Schneider in seinem Grußwort fest. Er stellte dann die Frage: „Ist die Jagd heutzutage überhaupt noch notwendig? Und diese sei eindeutig mit Ja zu beantworten.

Als Grundlage nannte er, dass eine Wildregulierung erforderlich sei, weil wir in einer zwar artenreichen Kultur-, nicht aber in einer Naturlandschaft lebten. Schneider hob dann die erfolgreiche Partnerschaft von Jagd- und Naturschutz hervor.

Fait-Wissemann
Detlef Fait von der Hegegem. Herbstein-Ulrichstein dankt Prof. Dr. Volker Wissemann für seinen Vortrag (v.links)

Diese Zusammenarbeit sei notwendig, weil der Naturschutz weit über den Schutz ökologisch wichtiger Einzelflächen hinausgehe: „Naturschutz ist der pflegliche Umgang mit der Natur in der ganzen Fläche unseres Landes, und das geht nur in der Partnerschaft von Eigentümern, Bauern und Jägern und braucht freiwillige und eigenverantwortliche Mithilfe“. Auch der Jagdschutz habe sich seit seinen Anfängen stark gewandelt. Zu Beginn habe der Kampf gegen Wilddieberei im Mittelpunkt gestanden. Heute gehe es um die Ausbildung und Schulung der Jungjäger und um die Mitarbeit in den staatlichen und gesellschaftlichen Institutionen, um Biotop- und Naturschutz, um Öffentlichkeitsarbeit und um Hundeausbildung.

Als eine weitere wesentliche Aufgabe schaffe der moderne Jagdschutz ein ausgewogenes Verhältnis zwischen der freilebenden Tierwelt und den Lebensräumen. Dazu gehöre auch der Schutz dieser Lebensräume. Mit hohem zeitlichem und finanziellem Aufwand würden Maßnahmen zur Äsungsverbesserung und Reviergestaltung durchgeführt.

Jagdhunderassen
Zahlreiche Jagdhunderassen wurden von Manfred Schlosser vorgestellt

Dabei gehe es um die Anlage, Gestaltung und Pflege von Hecken, Feldgehölz, Waldsäumen, Streuobstflächen und Feuchtgebieten. Und gerade auf diesen Gebieten habe die Stadt Ulrichstein schon lange Zeit einiges getan um diese Ziele zu verfolgen und nannte einige Beispiele. Eine fachliche Begleitung habe man durch das betreuende Forstamt, und insbesondere durch Revierleiter Peter Kraus, sowie den ehemaligen Geschäftsführer des Naturparks Hoher Vogelsberg, Ernst Happel, erfahren.

In diesem Jahr seien die Maßnahmen des Biotopschutzgebietes „Gründchen“, unterhalb Ulrichsteins zum Abschluss gebracht werden. „Unser „Gründchen“ wird dadurch zu einem ökologischen Juwel, das uns allen noch viel Freude bereiten wird“ betonte das Stadtoberhaupt und wies abschließend auf Projekt „Heckenpflege“ hin, das Modellprojekt in Hessen, auf dem Gebiet der Gemeinde Lautertal und der Gemarkung Ulrichstein durchgeführt werde. Damit das eingangs angesprochene Bild des Schnappsack-Jägers gänzlich verschwinde, müsse sich die Jägerschaft auch weiterhin um eine Öffentlichkeitsarbeit bemühen. Dazu diene auch der 17. Tag der Jagd, der einer breiten Öffentlichkeit zeige was die Ausübung der Jagd wirklich ist und was sie bedeutet.

Axel Rockel
Über die Entwicklung der Artenvielfalt im Vogelsberg am Beispiel ausgewählter Vogelarten referierte Axet Rockel

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand dann das Referat von Prof. Dr. Volker Wissemann (Gießen) mit dem Thema: „Naturentfremdung der nachwachsenden Generationen“. Er stellte fest, dass sich in unserer Gesellschaft nicht nur eine Naturentfremdung breit mache, sondern die Unkenntnis über unsere Lebensgrundlagen, ihre Zusammenhänge, die Vielfalt, Chancen und Möglichkeiten einer Pflanzen-, Pilz- und Tierwelt für Nahrung, Medizin und Technik geradezu eine Biophobie, eine Angst vor der Natur auslöse. Interessengruppengeleitete Informationen hätten dazu geführt, dass Jugendliche nicht mehr sachgeleitet Informationen zur Natur verarbeiteten, sondern aus Unkenntnis emotional. Die Verbindung zwischen Natur als Lebensgrundlage und dem nachhaltigen Produkt, dessen Basis der verantwortungsvolle Umgang und erhaltende Nutzung der Ressourcen sei, sei für junge Menschen unterbrochen.

Uhu Luise
Absoluter Star beim 17. Tag der Jagd war Uhu „Luise“ von der Greifvogelwarte Feldatal

Im Außenbereich stellte dann Manfred Schlosser (Kestrich) insgesamt 19 Jagdhunde verschiedener Rassen vor und zeigte einige Beispiele aus der praktischen Arbeit.

Abschluss der Veranstaltung war der Vortrag über die „Entwicklung der Artenvielfalt im Vogelsberg am Beispiel ausgewählter Vogelarten“ von Axel Rockel (Schotten-Eichelsachsen). Neben zahlreichen Bildern der verschiedensten Vogelarten war aber „Luise“, ein Uhu aus der Greifvogelwarte Feldatal in Ermenrod, der absolute Star des Nachmittags.

Im Bistro „Lichtblick“ gab es am „Tag der Jagd“ natürlich auch Wildgericht, diesmal Wildgulasch mit Knödel und Rotkohl.

Text und Bilder: Dieter Graulich